Lauftrends 2017: Individuell gefertigte Sportbekleidung und Laufschuhe stehen kurz vor der Markteinführung

Urs Weber, RUNNER'S WORLD
Urs Weber, RUNNER'S WORLD

- Beim 4. RUNNER’S WORLD Laufschuhsymposium auf der ISPO in München diskutierten 230 geladene Experten aus der Running-Branche über neueste Produkt- und Lauftrends.
- Schuhe aus dem 3-D-Drucker, Obermaterialien aus recyceltem Plastik, Fertigung direkt im Sportgeschäft: Was sich wie Zukunftsmusik anhört, wird bald schon Realität.
- Läufer definieren sich neu: Statt Bestzeiten und Marathonstarts werden Ausrüstung und Style wichtiger. „Komfort“ schält sich als das neue Paradigma der Laufschuhberatung heraus.

Hamburg/München, 10. Februar 2017 – Zum vierten Mal trafen sich 230 geladene Experten aus der Running-Branche zum RUNNER’S WORLD Laufschuhsymposium im Rahmen der Sportartikelmesse ISPO, um sich bei der ganztägigen Veranstaltung im Internationalen Congress Center München über neueste Produkt- und Lauftrends auszutauschen. „Läufer sind heute viel selbstbewusster“, fasste RUNNER’S-WORLD-Redakteur Urs Weber die neuesten Erkenntnisse aus der Marktforschung zusammen. „Und die Zielgruppe Läufer ist heute viel lockerer: Man muss keine Marathonbestzeit vorweisen, Berge erklommen oder Ultraläufe absolviert haben. Laufen ist zu einer neuen Art des sozialen Zusammentreffens und des Austauschs geworden. Und da zählt das gemeinsame Erlebnis mehr als die individuelle Höchstleistung.“

 

Gerd Manz, adidas
Gerd Manz, adidas

Neue Produktionsformen

Das maßgeschneiderte Running-Outfit ist keine Zukunftsvision. „Es kann schon heute hergestellt werden. Dazu wird mit einem der Körper mit einem Scanner vermessen und die Daten des Scanners direkt an eine Strickmaschine übertragen“, erklärt Gerd Manz, der bei Adidas für das weltweite Innovationsteam verantwortlich ist. „Die könnte sogar beim örtlichen Sporthändler stehen, dann wäre das Laufshirt innerhalb von vier Stunden nach Betreten des Geschäftes fertiggestellt – maßgeschneidert“, so Manz. Hersteller wie Adidas verfolgen dabei den Open Source-Gedanken. „Warum sollen wir nicht die Kreativkraft der jungen Designer in den Trend-Städten der Welt nutzen?“, fragte Gerd Manz. Adidas will zukünftig für solche Initiativen die Büros und die Technik bereitstellen, so könnten kreative Ideen in das Alltagsdesign von Sportartikeln einfließen. Konsequenz: noch schnellere Produktzyklen. „Schon jetzt verdienen wir 80 Prozent unseres Umsatzes mit Produkten, die jünger als ein Jahr sind“, so der Adidas-Manager.

Gerard Klein, Asics
Gerard Klein, Asics

Laufen ist die zentrale Sportart unter vielen

Bei der Zielgruppenanalyse kommt Gerard Klein, Senior General Manager für Footwear and Merchandising bei Asics, zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die größte Gruppe, nämlich 33 Prozent der Läufer, seien die Fitness Explorer. „Sie laufen nicht nur, sondern gehen zum Beispiel ins Fitnessstudio, und ihnen sind neben der Fitness ebenso Look und Style wichtig.“ Zu den stärksten Trends im Running zählt Gerard Klein die Aspekte Wellness, Fitness und Gesundheit, sie stünden viel stärker im Fokus als früher. Der Trend „Quantify Yourself“ spielt auch und vor allem beim Laufen eine große Rolle, analysiert der Asics-Manager. Man trackt seinen Sport, generell seine Bewegung und seine Gesundheitswerte. Damit gehe der Trend „Express yourself“ einher, das Teilen von Impressionen aus dem Sport sowie seiner persönlichen Erlebnisse auf Instagram, Facebook und in anderen sozialen Netzwerken. 

Gelindo Bordin, Diadora
Gelindo Bordin, Diadora

Technologie für Individuen

In der Laufschuhtechnologie stellen die Hersteller die Bedürfnisse des Läufers noch stärker in den Vordergrund. Früher, erklärt der ehemalige Top-Marathonläufer Gelindo Bordin, haben die Hersteller die Laufschuhe so konstruiert, dass sie einen bestimmten Bewegungsablauf provozieren. „Aber wir sind Menschen“, stellt der Italiener klar, der den italienischen Hersteller Diadora repräsentiert. „Und die meisten Menschen sind asymmetrisch, und sie laufen auch asymmetrisch.“ Bordin, zweifacher Europameister und Olympischer Goldmedaillengewinner im Marathon (1988), betont: „Jeder hat andere Ansprüche an einen Laufschuh, der das individuelle Bewegungsmuster ermöglichen muss.“ Der Ansatz von Diadora: „Wir wollen versuchen, dass jeder Läufer ausbalanciert laufen kann.“

Dr. Simon Bartold
Dr. Simon Bartold

Komfort als maßgebliches Kriterium

Besonders heiß diskutierten die Experten die richtigen Methoden für die Laufschuhberatung. Der renommierte Biomechaniker Dr. Simon Bartold forderte beim Laufschuhsymposium ein grundsätzliches Umdenken: „Die neuesten Untersuchungen konnten zeigen, dass der Grad der Pronation keinen Einfluss auf die Verletzungshäufigkeit hat!“ Die früher so hoch eingestufte Stabilität bei Laufschuhen zur Unterbindung der übermäßigen Pronation sei ein widerlegtes Konzept, so Bartold. Nach seiner Auffassung ist vor allem der repetitive Stress, die immer wiederkehrenden Bewegungsabläufe beim Laufen, die Ursache für Verletzungen. Ein Hauptaugenmerk seiner jüngsten Forschung gilt der bislang wenig beachteten Vibration. „Der Mensch ist ein vibrierendes System“, sagt der Biomechaniker. In seinen Untersuchungen versucht er herauszufinden, welche Körperteile durch „schädliche“ Vibrationen betroffen sein können. „Die Wissenschaft ist für den Läufer manchmal nicht ganz einfach zu verstehen“, gesteht Bartold. Dafür hat der für Salomon forschende Wissenschaftler eine einfache Praxisregel für Läufer: Der Schuh, in dem man sich von Anfang an wohlfühlt und gut aufgehoben, also der mit dem höchsten Komfort, ist wahrscheinlich auch genau der, in dem man auch die beste Verletzungsprophylaxe erfährt.

Viertes Laufschuhsymposium in Folge

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion gab es einige strittige Punkte: Wie sieht die Produktberatung in der Zukunft aus, passiert sie via Internet, Apps oder doch bei der klassischen persönlichen Beratung? „Der Trend zum Kauf im Internet ist gerade bei Laufbekleidung ungebrochen“, stellte Redakteur Urs Weber fest. „Aber bei Laufschuhen zeigt sich in Deutschland eine sehr hohe Kompetenz im spezialisierten Fachhandel. Jedenfalls vertrauen regelmäßige Läufer mehr auf den Fachhandel als auf andere Kauf-Kanäle.“

RUNNER’S WORLD-Chefredakteur Martin Grüning zog als Veranstalter ein positives Fazit des
4. Laufschuhsymposiums: Die Nachfrage nach den begrenzten Plätzen beim Symposium sei deutlich höher gewesen als in den Vorjahren, die Plätze sehr viel früher ausgebucht. „Es war ein Event auf absolut höchstem Fachniveau, das in der Running-Branche unvergleichlich ist“, urteilt Grüning.

RUNNER'S WORLD ist das größte Laufmagazin der Welt und das mit Abstand größte in Deutschland (240.000 Leser pro Ausgabe, AWA 2016). Die Internetseite runnersworld.de ist die am meisten geklickte Seite zum Thema (10,7 PIs im Monat, AWA 12/16). Seit über 20 Jahren gilt es als unangefochtene Kompetenz im Markt und inspiriert sportbegeisterte Menschen zum Laufen. Es versorgt Läufer mit allen wesentlichen Orientierungshilfen rund um ihren Sport von bewegenden Reportagen und Porträts bis hin zur fundierten Beratung rund um Training, Ernährung, Ausrüstung und Gesundheit. Dazu runden Berichte von allen wichtigen Laufveranstaltungen das Magazin ab. RUNNER'S WORLD erscheint monatlich bei Rodale-Motor-Presse in Hamburg und kostet 4,50 €.

 

Kontakt:

Urs Weber
Redaktion RUNNER’S WORLD
Tel.: +49 89 79191-52
uweber@motorpresse.de

 

Martin Grüning
Chefredakteur RUNNER’S WORLD
+49 89 79191-57
mgruening@motorpresse.de