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Exklusiv aus auto motor und sport Heft 7/2010

auto motor und sport 7/2010
auto motor und sport 7/2010

• BMW will seine Produktionskapazitäten in China noch in diesem Jahr knapp verdoppeln, hat Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt angekündigt.
• Renault-Chef Patrick Pélata rechnet in diesem Jahr erneut mit einem Einbruch des weltweiten Automarktes um zehn Prozent, geht aber davon aus, dass zum Jahresende die Erholung der Autokonjunktur einsetzt.
• Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher kann nach Einschätzung von Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone ohne Druck in die neue Rennsaison starten.

Das sind die Exklusiv-Meldungen aus der am 11.3.2010 erscheinenden Ausgabe von auto motor und sport.


BMW: Kapazität in China wird knapp verdoppelt
Vorstand Arndt: Weltweite Auslastung soll auf „deutlich über 90 %“ steigen

München. BMW will seine Produktionskapazitäten in China noch in diesem Jahr knapp verdoppeln. „In unserem Joint Venture BMW Brilliance Automotive Werk in Shenyang wird die Kapazität zunächst von rund 41.000 auf über 75.000 Einheiten in 2010 gesteigert“, kündigte Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt im Gespräch mit dem am Donnerstag erscheinenden Magazin auto motor und sport an. „Ab 2012 kommt ein zweites Werk in derselben Region dazu, das zuerst einmal mit bis zu 50.000 Einheiten startet. Wir haben aber dank ausreichender Fläche die Option, diese Kapazität nochmals massiv zu erhöhen. Damit kommen wir in China schnell auf eine Kapazität von deutlich über 100.000 Fahrzeugen, falls die Nachfrage es verlangt.“ Langfristig sei in China sogar eine Produktion „von bis zu 300.000 Fahrzeugen möglich“.

Auch in den USA geht BMW von einer Markterholung  aus und will deshalb die Kapazität seines Werkes in Spartanburg weiter erhöhen. Arndt: „Hier wird die Fertigungskapazität in den nächsten Jahren von rund 160.000 auf bis zu 240.000 Einheiten gesteigert. Zunächst werden wir im Zuge des Anlaufs des neuen BMW X3 aber erst mal 200.000 Einheiten installieren. Damit erhalten wir uns die notwendige Flexibilität, wenn es der Markt erfordert.“

Trotz der weltweit noch unsicheren Konjunkturlage sieht Arndt wieder eine steigende Auslastung der BMW-Werke. „Im sehr volumenstarken Jahr 2007 lagen wir bei 106 Prozent, 2008 bei 98 Prozent, vergangenes Jahr dann bei immer noch guten 86 Prozent im schwierigen Marktumfeld.“ Für 2010 erwartet Arndt wieder eine Steigerung. „Dieses Jahr wollen wir in der Auslastung des Produktionsnetzwerks auf jeden Fall wieder deutlich über 90 Prozent rangieren.“

Kurzarbeit ist laut Arndt nicht geplant: „Wir sind zuversichtlich für 2010 und freuen uns schon seit Februar der einzige Premiumhersteller zu sein, der keine Kurzarbeit mehr fährt. Unsere Mitarbeiter sind in Vollbeschäftigung. Und wir sehen heute keinen Grund, dass sich das ändern sollte.“ Weltweit beschäftigte BMW Ende 2009 rund 96.200 Mitarbeiter; im Jahr zuvor waren es 100.000. Die meisten Beschäftigten hat BMW nach wie vor in Deutschland. „Auch heute arbeiten fast 75 Prozent der rund 96.000 BMW Group-Mitarbeiter im Inland“, so Arndt. „Deutschland ist und bleibt das Rückgrat von BMW. Parallel folgen wir aber im internationalen Geschäft unserer Philosophie, dass Produktion auch vor Ort in wichtigen Märkten stattfinden muss. Das ist schlichtweg für die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens im globalen Markt nötig. Deswegen hat sich die Relation ‚Produktion Inland’ zu ,Produktion Ausland‘ in den letzten Jahren tendenziell von 70:30 hin zu 60:40 entwickelt.“

 
Renault-Chef: Erholung der Märkte zum Jahresende
Pélata: E-Autos schaffen zehn Prozent Marktanteil schon 2020

Paris. Renault-Chef Patrick Pélata rechnet in diesem Jahr erneut mit einem Einbruch des weltweiten Automarktes um zehn Prozent, geht aber davon aus, dass zum Jahresende die Erholung der Autokonjunktur einsetzt. „Ich erwarte Zuwächse in Asien, Lateinamerika, vielleicht auch in Russland. Wahrscheinlich wird es in der Türkei und den nordafrikanischen Staaten kein Wachstum geben, dafür aber einen deutlichen Rückgang in Europa. Wir rechnen mit einem Minus von zehn Prozent“, sagte Pélata im Gespräch mit dem am Donnerstag erscheinenden Magazin auto motor und sport. „In unseren Kalkulationen gehen wir von einer leichten Markterholung am Ende des Jahres aus.“ Pélata fürchtet, dass es aufgrund der angespannten Märkte zu Preiskämpfen kommen wird und damit die Renditen weiter sinken. „Die Frage ist: Wird es einen Preiskampf in Europa geben? Das wird sehr schmerzhaft für einige.“

Renault sieht Pélata aufgrund der neuen Modelle gut gerüstet. „Unsere Produktpalette ist jung. Seit letztem Mai steigt unser Marktanteil. Für 2010 rechnen wir mit einem weiteren Plus von neun auf zehn Prozent. Damit wollen wir den Marktrückgang ausgleichen.“ In den nächsten zwei Jahren werde Renault vier neue Modelle mit Elektroantrieben in den Markt bringen und wolle damit auch von diesem Wachstumsmarkt profitieren. „Fluence und E-Kangoo gehen Mitte 2011 in den Markt. Der Zweisitzer Twizy kommt Ende 2011. Der Zoe, der ein reines E-Auto sein wird, kommt Mitte 2012.“
Dabei rechnet Pélata damit, dass sich der E-Antrieb vor allem in Pendlerfahrzeugen durchsetzen wird, während der Dieselantrieb weiterhin der sparsamste Motor für die Langstrecke bleibe. „Wir glauben, dass sich der Markt in zwei Richtungen entwickelt: Pendler-Autos und Autos, die große Strecken zurücklegen müssen. Wenn man 1.000 Kilometer mit einem Hybrid fährt, dann schleppt man die Batterie und den E-Motor als zusätzlichen Ballast mit.“

Mit dem Aufkommen der Elektro-Autos müsse die Stromproduktion erheblich sauberer werden, soll der Elektroantrieb wirklich die Energiebilanz schonen. „Wenn man die Well-to-Wheel-Energiebilanz zieht, dann liegt ein Kompaktklasse-Diesel bei 135 Gramm CO2 pro Kilometer, der Prius kommt auf rund 110 Gramm, ein E-Auto beim Kraftwerk-Mix in Europa auf 62 Gramm und in Frankreich auf zwölf Gramm“, so Pélata. „Wenn wir die globale Erwärmung wirklich ernst nehmen, dann müssen die Kraftwerke verbessert werden. Wenn man ein E-Auto aus einem modernen Kohlekraftwerk speist, liegt man bei 120 Gramm. Wenn der Strom aus einem Naturgas-Kraftwerk kommt, dann sind wir unter 80 Gramm. Wir glauben, dass die Stromproduktion sauberer werden muss. Und das ist ein Trend für die nächsten 20 bis 30 Jahre.“
Pélata ist davon überzeugt, dass Elektroautos rasch nennenswerte Marktanteile erreichen werden. „E-Autos werden als Pendler-Autos genutzt. Und das ist in Europa ein Markt von 30 bis 40 Prozent. Deshalb glauben wir, dass ein Marktanteil von zehn Prozent bis 2020 erreichbar ist. Und diese Einschätzung basiert auf der heutigen Batterie-Technik. Weltweit wird das E-Auto in China und Indien eine große Rolle spielen.“


Ecclestone: Schumacher muss nicht gewinnen
„BMW und Toyota sind ausgestiegen, weil sie erfolglos waren“ – Formel-1-Chef teilt Ferrari-Kritik: Neue Teams nicht konkurrenzfähig

Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher kann nach Einschätzung von Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone ohne Druck in die neue Rennsaison starten. Er müsse nichts beweisen und könne auch damit leben, wenn andere schneller sind, sagte Ecclestone vor dem Rennauftakt am Sonntag in Bahrain dem Magazin auto motor und sport. „Michael ist nicht an seinem Image interessiert. Er will wieder Rennen fahren. Wenn jemand wirklich schneller wäre als er, würde er es akzeptieren.“ Im Alter von 41 Jahren sieht Ecclestone keinen Nachteil, sondern eher einen Vorteil für den Mercedes-Piloten. „Ich sehe nur Vorteile in seinem Alter. Er hat alles schon mal erlebt. Er muss nichts mehr beweisen. Michael wäre nicht zurückgekommen, wenn er nicht wüsste, dass er seinen Job gut machen kann. Wenn er nicht gewinnt, wird man dem Auto die Schuld dafür geben.“

Probleme sieht der Formel-1-Vermarkter dagegen auf das Ferrari-Team wegen der Rivalität der beiden Piloten Felipe Massa und Fernando Alonso zukommen. „Alonso ist ein netter Kerl außerhalb des Cockpits, aber er ist ein Siegertyp. Er mag keinen neben sich, der schneller ist. Und Massa ist schnell.“

Keine Sorge hat Ecclestone, dass die Attraktivität der Formel 1 durch den Ausstieg der Hersteller BMW und Toyota gelitten hat. „Man kann nicht behaupten, dass der Auftritt von Toyota und BMW in der Formel 1 übermäßig aufregend gewesen wäre“, ätzt Ecclestone. „BMW lebt als Name in Sauber weiter, vielleicht sogar besser. Wenn wir Ferrari verloren hätten, dann hätte ich gesagt: Oh, mein Gott.“ Zudem seien die beiden Hersteller nicht aus finanziellen Gründen ausgestiegen. „BMW und Toyota sind gegangen, weil sie nicht erfolgreich waren. Max Mosley wollte die Notwendigkeit abschaffen, für Erfolg viel Geld ausgeben zu müssen. Die Hersteller sollten ihm dafür dankbar sein.“

Ecclestone teilt die Kritik von Ferrari, dass die neuen Privatteams noch nicht konkurrenzfähig sind. „Ferrari hat Recht. Aber als sich die neuen Teams eingeschrieben haben, waren sie der festen Ansicht, dass es ein Budgetlimit von 40 Millionen Euro gibt. Und zwar für alle, einschließlich Ferrari“, so der Formel-1-Boss. „Das hätte ihnen eine Chance gegeben. Ich habe sie immer gewarnt, dass ein Budgetlimit nicht funktioniert. Jetzt stellen die neuen Teams fest, dass ihr Budget nicht ausreicht.“
 

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